Das Immunsystem: Unser unermüdliches Abwehrteam
„Stärken Sie Ihr Immunsystem!“ Diesen Rat kennen wir alle. Doch was ist das Immunsystem eigentlich?
Stellen Sie sich das Immunsystem als ein gut eingespieltes Sicherheitsteam vor: Manche Mitglieder kontrollieren die Zugänge, andere erkennen Gefahren und werden aktiv. Wieder andere merken sich, mit wem sie es zu tun hatten – für den nächsten Einsatz.
Das Immunsystem- ein eingespieltes Netzwerk
Das Immunsystem ist ein Netzwerk aus Organen, Geweben, Zellen und Eiweißstoffen. Gemeinsam erkennt und bekämpft das Team Krankheitserreger wie Viren, Bakterien und Pilze. Auch krankhaft veränderte körpereigene Zellen werden aufgespürt.
Viele der Abwehrzellen gehören zu den weißen Blutkörperchen, die im Knochenmark entstehen und über Blut und Lymphe an verschiedene Einsatzorte gelangen. Die Lymphknoten sind dabei wichtige Treffpunkte: Hier werden die Abwehrzellen durch die Begegnung mit Erregerbestandteilen aktiviert.
Die Mitglieder des Sicherheitsteams stehen ständig miteinander in Verbindung. Über Botenstoffe geben sie Informationen weiter und rufen bei Bedarf Unterstützung. Die Milz überwacht unter anderem das Blut auf Krankheitserreger.
Die erste Schutzlinie: Haut und Schleimhäute
Ein großer Teil der Abwehrarbeit beginnt bereits an den Grenzen unseres Körpers. Die Haut bildet eine schützende Barriere. Auch die Schleimhäute, etwa in Nase und Atemwegen, helfen dabei, Erreger aufzuhalten.
Dabei arbeiten sie mit praktischen Hilfsmitteln:
- Schleim fängt viele eingeatmete Erreger ab. Winzige Flimmerhärchen transportieren den Schleim anschließend Richtung Rachen – ähnlich wie ein Förderband.
- Tränenflüssigkeit und Speichel enthalten Stoffe, die bestimmte Bakterien unschädlich machen können.
- Magensäure stoppt viele Keime, die wir mit der Nahrung aufnehmen.
Diese Schutzmechanismen gehören zur angeborenen Abwehr, fungieren als eine Art Zugangskontrolle unseres Sicherheitsteams und verhindern, dass jeder Kontakt mit einem Erreger direkt zu einer Infektion führt.
Wenn Erreger eindringen: Schnelle Hilfe und gezielte Abwehr
Überwindet ein Erreger diese Barrieren, kommen weitere Mitglieder des Abwehrteams zum Einsatz. Die angeborene Abwehr reagiert schnell auf typische Merkmale von Krankheitserregern. Dazu gehören sogenannte Fresszellen, die Eindringlinge aufnehmen und zerlegen.
Gleichzeitig können Botenstoffe weitere Abwehrzellen anlocken. Die betroffene Stelle wird stärker durchblutet, kann sich röten, warm werden und anschwellen. Eine derartige Entzündung ist Teil der Abwehrreaktion, zu der auf Fieber gehören kann.
Eng verbunden mit der angeborenen Abwehr arbeitet die erworbene Abwehr, die beim ersten Kontakt etwas mehr Zeit braucht, dafür aber gezielt gegen bestimmte Erreger vorgeht. Einige ihrer Zellen bilden passende Antikörper, die Erreger neutralisieren, für andere Abwehrzellen markieren oder beispielsweise virusinfizierte Körperzellen zerstören können.
Schnelle Einsatzkräfte (angeborene Abwehr) und spezialisierte Fachkräfte (erworbene Abwehr) ergänzen sich also im Zusammenspiel.
Ein Team mit Gedächtnis: Warum wir trotzdem wieder krank werden
Nach einer Infektion bleiben häufig Gedächtniszellen zurück, die eine Art Steckbrief des Erregers speichern. Bei erneutem Kontakt kann die Abwehr schneller reagieren und eine Erkrankung verhindern oder ihren Verlauf abmildern.
Warum wir trotzdem immer wieder krank werden? Weil viele verschiedene Viren ähnliche Beschwerden verursachen. Der Steckbrief des einen Erregers passt nicht automatisch zum nächsten. Grippeviren verändern zudem häufig ihre Erkennungsmerkmale. Frühere Erfahrungen bieten dann nur begrenzten Schutz.
Impfungen nutzen dieses Gedächtnis und bereiten die Abwehr gezielt auf bestimmte Erreger vor, ohne dass wir dafür die betreffende Krankheit durchmachen müssen.
Hinzu kommt: Mit dem Alter wächst zwar die Erfahrung, doch im höheren Lebensalter lässt die Leistungsfähigkeit des Abwehrteams nach. Ein größeres Archiv macht unser Sicherheitsteam also nicht unbesiegbar. Auch hält der Schutz je nach Erreger unterschiedlich lange an.
Ihr Abwehrteam muss also immer wieder unterstützt werden. Und das geht schon mit einfachen Maßnahmen, die wir im Alltag gern vergessen. Welche das sind, lesen Sie hier.